Die Insolvenz des Biotech-Unternehmens 23andMe wirft ernsthafte Fragen zum Datenschutz auf. Nach einem schweren Datenleck im Jahr 2023, bei dem Millionen genetischer Profile offengelegt wurden, stehen die sensiblen Informationen von 14 Millionen Kunden auf dem Spiel. Besonders beunruhigend: In den USA fehlen umfassende Gesetze zum Schutz genetischer Daten.
Datenskandal und Nachfragerückgang: Der Niedergang von 23andMe
Ein Bericht von Reuters vom 25. März 2025 sieht die Insolvenz als Folge einer Rufschädigung durch das massive Datenleck sowie eines starken Nachfragerückgangs. Besonders problematisch war der Umgang mit der Sicherheitslücke: Kunden chinesischer oder aschkenasisch-jüdischer Abstammung wurden nicht umgehend über das gezielte Dateninteresse von Cyber-Kriminellen informiert. Zudem musste 23andMe im September 2024 30 Millionen US-Dollar an fast 7 Millionen Kunden als Schadensersatz zahlen.
Wer schützt genetische Daten? Eine rechtliche Grauzone
Im Gegensatz zu herkömmlichen Gesundheitsakten, die unter den HIPAA-Schutz fallen, sind genetische Daten in den USA weitgehend unreguliert. Besonders kritisch: Die Richtlinien von 23andMe erlauben die Übertragung oder den Verkauf von Kundendaten im Insolvenzverfahren. Die Generalstaatsanwälte von Kalifornien und Connecticut fordern daher Verbraucher auf, aktiv zu werden, um ihre Informationen zu sichern.
Was können betroffene Nutzer tun?
Wer 23andMe genutzt hat, sollte jetzt handeln, um seine genetischen Daten zu schützen:
- Datenschutzeinstellungen prüfen: Überprüfen, welche Einwilligungen zur Datenweitergabe bestehen. Bereits 2018 wurden 5 Millionen genetische Profile an GlaxoSmithKline verkauft.
- Datenlöschung beantragen: Trotz Insolvenz könnte eine frühzeitige Löschung verhindern, dass die Daten in falsche Hände geraten. Allerdings speichert 23andMe laut eigenen Angaben gelöschte Daten bis zu drei Jahre.
- Daten herunterladen: Vor einer Löschung sollten Nutzer eine Kopie ihrer genetischen Informationen sichern.
- Aktuelle Entwicklungen verfolgen: Änderungen der Datenschutzrichtlinien könnten weitere Risiken oder neue Schutzmöglichkeiten mit sich bringen.
- Offizielle Empfehlungen beachten: Besonders die Hinweise der Generalstaatsanwälte aus Kalifornien und Connecticut sind für betroffene Nutzer relevant.
Ein Weckruf für Datenschutz und Cyber-Sicherheit
Die Insolvenz von 23andMe ist ein Mahnmal für Unternehmen und Verbraucher: Sensible personenbezogene Daten müssen nicht nur geschützt, sondern von Anfang an sicher verwaltet werden. Datenschutz darf nicht erst in Krisenzeiten ein Thema sein – sondern muss von vornherein in die Systeme integriert werden, um die Privatsphäre der Nutzer nachhaltig zu sichern.
(vp/Check Point Software Technologies)