Der E-Commerce-Riese Amazon steht kurz vor seinem lang erwarteten Eintritt in den Markt für satellitengestützte Internetdienste. Die ersten 27 Satelliten des Project Kuiper sollen am 9. April mit einer Atlas-V-Rakete ins All starten und den Grundstein für ein globales Internetnetzwerk legen.
Milliardeninvestition im Orbit
Mit Project Kuiper will der Konzern aus Seattle dem Platzhirsch SpaceX mit seinem Starlink-Dienst Paroli bieten. Amazon-Gründer Jeff Bezos, der mit Blue Origin bereits ein eigenes Raumfahrtunternehmen betreibt, investiert dabei Milliarden in den Aufbau einer Satellitenkonstellation, die letztendlich aus mehr als 3.200 Satelliten bestehen soll.
Die Satelliten werden in 630 Kilometern Höhe positioniert und umkreisen die Erde mit rund 27.000 km/h. Amazon habe bei der Entwicklung besonderes Augenmerk auf die Reduzierung der Lichtverschmutzung gelegt – ein Aspekt, der bei Starlink häufig kritisiert wurde. Die Kuiper-Satelliten verfügen über eine spezielle Beschichtung, die reflektiertes Sonnenlicht streut und sie für Astronomen weniger störend machen soll.
Diversifizierte Startstrategie
Ungewöhnlich ist Amazons Strategie bei den Raketenstarts: Das Unternehmen setzt auf mehrere Anbieter gleichzeitig. Neben der United Launch Alliance (ULA) hat Amazon Verträge mit Arianespace, Blue Origin und – ausgerechnet – Konkurrent SpaceX abgeschlossen. Damit will der Konzern offenbar Abhängigkeiten vermeiden und die ehrgeizigen Ausbaupläne absichern.
Kampf um Marktanteile mit attraktiven Endgeräten
Amazon plant verschiedene Empfangsanlagen anzubieten. Die kompakteste Version wiegt nur rund 450 Gramm und soll Geschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s ermöglichen. Für anspruchsvollere Anwendungen sind größere Terminals mit Datenraten von bis zu 1 Gbit/s vorgesehen. Mit Produktionskosten von unter 400 US-Dollar pro Terminal könnte Amazon die Geräte möglicherweise subventionieren, um schneller Marktanteile zu gewinnen.
Der Vorsprung von SpaceX ist allerdings beträchtlich: Während Elon Musks Unternehmen bereits seit 2019 Satelliten im Orbit hat und derzeit über 7.000 aktive Einheiten verfügt, steht Amazon noch ganz am Anfang. „Wir haben umfangreiche Tests am Boden durchgeführt, aber einige Dinge kann man nur im All lernen“, räumt Rajeev Badyal, Vizepräsident von Project Kuiper, ein.
Falls der Start am 9. April erfolgreich verläuft, könnte Amazon tatsächlich noch in diesem Jahr erste kommerzielle Dienste anbieten. Für Verbraucher dürfte der verstärkte Wettbewerb jedenfalls zu sinkenden Preisen führen – der Kampf um den lukrativen Markt für globale Internetdienste aus dem All geht in die nächste Runde.