Runder Geburtstag

50 Jahre Microsoft: Die Geschichte eines Tech-Giganten

Microsoft
Bildquelle: Tada Images/Shutterstock.com

Microsoft hat nicht nur die Computerindustrie geprägt, sondern auch die Art und Weise, wie Menschen weltweit arbeiten, kommunizieren und leben. Nun feiert der Tech-Gigant ein rundes Jubiläum.

Im Computer-Universum kommt niemand an Microsoft vorbei. Mindestens 70 Prozent aller Personal Computer laufen unter dem Microsoft-Betriebssystem Windows. Die Bürosoftware Office zählt über eine Milliarde Nutzer weltweit. Selbst in neuen Software-Kategorien wie den Programmen zur Kommunikation innerhalb von Arbeitsgruppen hat der Tech-Riese aus dem Nordwesten der USA mit Microsoft Teams Herausforderer wie Slack weitgehend abgehängt. Und dank einer Kooperation mit OpenAI sitzt Microsoft auch beim Trendthema künstliche Intelligenz in der ersten Reihe. 

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Zum 50. Gründungstag des Unternehmens gibt es also viel zu feiern. Doch die Geschichte von Microsoft ist auch durch einige Rückschläge geprägt.

Hoch gepokert

Beim Aufstieg von einer winzigen Garagenfirma zum globalen Tech-Giganten half den Microsoft-Gründern Bill Gates und Paul Allen ein riesiger Bluff. Nachdem die ersten Jahre nach der Firmengründung am 4. April 1975 wenig spektakulär verlaufen waren, bot sich den beiden Freunden im Frühsommer 1980 die Riesenchance zum Durchbruch. Damals klopfte der Computerriese IBM an, der ein Betriebssystem für seinen ersten PC brauchte.

IBM wollte damals schnell in den PC-Markt einsteigen, denn kleinere Firmen wie Apple oder Commodore waren ihnen plötzlich gefährlich geworden. Microsoft eilte zu diesem Zeitpunkt der Ruf einer kleinen, aber talentierten Softwarefirma voraus, die sich mit Programmiersprachen auskannte. IBM suchte nun ein Betriebssystem. Gates sagte schnell die Lieferung zu. Es gab nur ein Problem: Microsoft hatte noch gar keins. Statt selbst eins zu schreiben, kauften Gates und Allen ein vorhandenes System namens QDOS (Quick and Dirty Operating System) für etwa 50.000 Dollar – und lizenzierten es als PC-DOS an IBM.

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Der geniale Clou: Microsoft behielt die Rechte und durfte das System als MS-DOS auch an andere verkaufen. Mit diesem Vertrag hätten Gates und Allen «eine historische Chance wahrgenommen», sagt Michael Mikolajczak, Kurator am größten Computer-Museum Deutschlands HNF in Paderborn. «Dieser Deal bestand nicht nur darin, dem großen IBM-Konzern beim Einstieg auf den PC-Markt unter die Arme zu greifen.» 

Gates habe damals darauf bestanden, dass die Rechte bei Microsoft blieben und die Software ständig weiterentwickelt und auch für andere Hersteller verwendet werden durfte. «Bill Gates hat bereits damals vorhergesagt, dass künftig auf allen Schreibtischen und in jedem Haushalt ein PC stehen wird. Rückschauend kann man sagen, er hat recht gehabt.»

Young Bill Gates
Bildquelle: Rob Crandall/Shutterstock.com

Massenpublikum erreicht

Mitte der Achtzigerjahre brachte dann die grafische Bedienoberfläche auf die Bildschirme der PCs, nachdem Apple vorgelegt hatte. Das inhaltliche Konzept dafür – die Bedienung mit Icons und einer Maus – wurde woanders erarbeitet, vor allem im kalifornischen Forschungslabor Xerox PARC. «Aber dort wurden keine Produkte entwickelt, die sich normale Menschen leisten konnten», sagt HNF-Kurator Mikolajczak. «Das haben erst Apple 1984 mit dem ersten Macintosh und Microsoft mit Windows für ein Massenpublikum erreicht.»

Paul Allen schied bereits 1983 aus dem Unternehmen aus, nachdem bei ihm ein bösartiger Tumor des Lymphsystems diagnostiziert wurde. An seine Stelle rückte der bullige Steve Ballmer. Der Visionär Gates und die Verkaufskanone Ballmer brachten nicht nur «einen PC auf jeden Schreibtisch», sondern sorgten auch dafür, dass spätestens mit Windows 95 die Vision «Information At Your Fingertips» für viele PC-Anwender zur Realität wurde.

Beim Aufstieg von Microsoft zum größten Software-Konzern der Welt unterliefen dem Führungsduo allerdings auch gravierende Fehler. Gates erkannte bis zum Sommer 1995 nicht, welche Rolle das offene Web spielen wird und setzte stattdessen auf den abgeschlossenen Dienst MSN. Microsoft hat in dieser kritischen Phase die Popularität seiner Produkte dazu verwendet, seine Marktmacht auszunutzen, um insbesondere die Konkurrenz bei den Webbrowsern ruhigzustellen.

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Knebelverträge bremsen Konkurrenz aus

«Allein die Tatsache, dass mit PC-Herstellern Verträge gemacht wurden, um die Rechner komplett mit Microsoft-Produkten zu bestücken, hat dann dazu geführt, dass andere Softwarehersteller wie Netscape kaum dagegen bestehen konnten», sagt HNF-Kurator Mikolajczak. Dieses Verhalten sahen Kartellwächter auch sehr kritisch. Microsoft entging damals nur knapp einer Zerschlagung.

Die kartellpolitischen Querelen zermürbten aber auch Bill Gates. Am 13. Januar 2000 übergab er den Chefsessel an seinen Freund Steve Ballmer. Unter Ballmers Führung stagnierte die technische Entwicklung, obwohl sich Umsatz und Gewinn des Konzerns positiv entwickelten. Berühmt wurde Ballmer für seine energiegeladenen Auftritte. Bei einer Entwicklerkonferenz 2000 stürmte er schwitzend und klatschend auf die Bühne und brüllte «DEVELOPERS! DEVELOPERS! DEVELOPERS!» – 14 Mal hintereinander. 

Das Video wurde zum viralen Hit – und zeigt auf schräge Weise, wie sehr Microsoft in der Ära Ballmer auf Entwickler setzte, die auf dem Microsoft-Fundament eigene Lösungen anbieten und damit den Software-Konzern in der Wirtschaft, Gesellschaft und Politik verankern.

Fatale Fehleinschätzung

Ein Internet-Meme bis heute ist ein Youtube-Video aus dem Jahr 2007, in dem sich Ballmer über das iPhone lustig macht, das kurz zuvor von Apple-Mitbegründer Steve Jobs 2007 präsentiert worden war. Es sei zu teuer, habe keine Tastatur, und würde im Business-Markt keine Chance haben. 

Die Geschichte verlief anders: Apple wurde zur Smartphone-Supermacht, Android von Google übernahm den Massenmarkt – und Microsoft verpasste die mobile Revolution. An diesem fatalen Fehler leidet Microsoft bis heute.

Ballmer Laughs at iPhone


Im Jahr 2014 übernahm Satya Nadella als dritter CEO in der Firmengeschichte die Führung des Konzerns. Er leitete sofort eine strategische Neuausrichtung unter dem Motto «Cloud First, Mobile First» ein, um die Fehlentscheidungen seines Vorgängers zu korrigieren. Nadella erkannte, dass Microsoft im traditionellen PC-Geschäft zwar stark war, aber neue Wachstumsfelder erschließen musste – vor allem Cloud-Dienste und mobile Anwendungen.

Strategische Neuausrichtung

Unter der Führung von Satya Nadella öffnete sich Microsoft in vielerlei Hinsicht: Das Unternehmen bot seine Software wie Office nun auch für das iPhone und Android-Geräte an und stellte verstärkt auf Abo- und Cloud-Modelle um. 

Als cleverer Schachzug erwies sich zuletzt auch eine tiefgreifende Kooperation mit dem weltweit führenden KI-Start-up OpenAI, dem Entwickler von ChatGPT. Nadella erkannte früh, dass Künstliche Intelligenz die nächste große technologische Revolution sein würde. Ob dies ausreicht, sich als Vorreiter der KI-Zukunft zu präsentieren, wird die Zukunft zeigen.

Christoph Dernbach, dpa

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