Die Finanzkriminalität nimmt in Deutschland weiter zu, wobei Phishing-E-Mails eine zentrale Rolle spielen. Dies geht aus der aktuellen Studie „Betrugstrends im Online-Banking in Deutschland 2025“ des Unternehmens BioCatch hervor.
Mithilfe fortschrittlicher Verhaltensintelligenz analysiert BioCatch Muster im menschlichen Verhalten, um Betrugsversuche zu erkennen.
Deutschland belegt in Europa Platz 4 bei der Anzahl der Betrugsfälle im Online-Banking und verzeichnete im Jahr 2024 einen wirtschaftlichen Schaden von 267 Milliarden Euro. Damit rangiert das Land auf Platz 7 unter den 30 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR). Besonders alarmierend: Deutschland war im vergangenen Jahr weltweit das Land mit den zweitmeisten Phishing-Angriffen. Zudem wurden 14 Prozent aller weltweit versendeten Phishing-Mails in Deutschland generiert.
Mathias Schollmeyer, CISSP bei BioCatch Deutschland, betont die weitreichenden Folgen dieser Entwicklung: „Wir haben beobachtet, dass die Zunahme von Phishing-Attacken zu einem Vertrauensverlust in digitale Dienste geführt hat.“
Ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt, dass 32 Prozent der Deutschen Künstliche Intelligenz (KI) eher als Risiko wahrnehmen, während nur 21 Prozent sie als Chance betrachten.
Betrugsopfer und ihre Verluste
Neben Phishing hebt der Bericht insbesondere die Gefahr des Anlagebetrugs hervor, die verstärkt im Fokus der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) steht. Junge Menschen werden dabei überdurchschnittlich oft Opfer von Krypto-Betrügereien. Laut einer aktuellen Umfrage betrachten 60 Prozent der Generation Z und Millennials soziale Medien als vertrauenswürdige Quelle für Finanzberatung. 43 Prozent dieser Nutzer haben bereits in Kryptowährungen investiert.
Die finanziellen Folgen dieser Betrugsmaschen sind gravierend. Während junge Menschen fast drei Viertel der Betrugsopfer ausmachen, tragen ältere Generationen den größten finanziellen Schaden. „Obwohl junge Menschen inzwischen fast drei Viertel aller Betrugsopfer ausmachen, sind es immer noch die älteren Generationen, die den Großteil der Verluste verursachen“, erklärt Thomas Peacock, Director of Global Fraud Intelligence bei BioCatch. Besonders betroffen sind die Baby Boomer: Im Durchschnitt verlieren sie 18.000 Euro pro erfolgreichem Betrug, während die Generation Z „nur“ 400 Euro verliert. Auch wenn 400 Euro als vergleichsweise geringer Betrag erscheinen mögen, warnt Peacock vor den langfristigen Auswirkungen. „Werden diese Fälle nicht untersucht, könnten die Opfer das Vertrauen in das Finanzsystem, in digitale Dienste und die Gesellschaft verlieren.“
Neue Betrugsmethoden und regulatorische Maßnahmen
Die Studie hebt zudem weitere besorgniserregende Entwicklungen hervor:
- Steigender Betrug durch Sofortüberweisungen: Die neue Verordnung über Sofortzahlungen (Instant Payment Regulation, IPR) verpflichtet Zahlungsdienstleister zur Bereitstellung von Transaktionen, die innerhalb von zehn Sekunden abgewickelt werden. Laut BioCatch haben europäische Banken bereits einen 110-prozentigen Anstieg von Betrugsfällen bei Sofortüberweisungen festgestellt.
- Verlagerung auf digitale Kanäle: Nahezu 70 Prozent der Betrugsverluste in Deutschland entstehen mittlerweile durch Angriffe auf digitalen Plattformen.
- Aufstieg des Quishing: Eine neue Masche, bei der Kriminelle gefälschte QR-Codes auf Parkautomaten, Ladestationen oder in Bankmitteilungen platzieren. Opfer werden dazu verleitet, diese Codes zu scannen, sensible Daten preiszugeben oder Schadsoftware herunterzuladen.
Die zunehmende Digitalisierung des Finanzsektors eröffnet Betrügern immer neue Möglichkeiten. Umso wichtiger ist es für Verbraucher, wachsam zu bleiben und sich über aktuelle Betrugsmaschen zu informieren. Gleichzeitig sind Banken und Finanzaufsichtsbehörden gefordert, effektive Schutzmaßnahmen zu etablieren, um das Vertrauen in digitale Finanzdienstleistungen zu erhalten.