Die Einführung von OpenTelemetry stellt eine regelrechte Revolution für die Observability dar. Denn im Vergleich zu herkömmlichen Tools, ermöglicht sie einen standardisierten und wesentlich integrierteren Ansatz der Systemüberwachung.
Als neuer Open-Source-Standard wird OpenTelemetry (OTel) von der Cloud Native Computing Foundation (CNCF) gepflegt und entwickelt sich gegenwärtig zur Norm für die Bereitstellung von Observability-Daten im Bereich Cloud Native. Denn Ziel ist es, ein einziges, einheitliches Output-Format zu schaffen, das von Entwicklern einfach genutzt werden kann.
OTel besteht aus einer Sammlung von APIs, Software Development Kits und Tools, die Performance-Daten aus Protokollen, Traces oder Metriken generieren und verarbeiten. Somit bietet der Standard einen Ausgangspunkt für die Realisierung moderner Observability-Plattformen, mit denen sich Probleme besser antizipieren und proaktiv beheben sowie Signale aus der gesamten Anwendungskette in Echtzeit identifizieren lassen.
Traditionelles Monitoring vs. Observability
Traditionelles Monitoring, mit dem sich sicherstellen lässt, dass IT-Systeme funktionieren, beruht auf dem Sammeln von Informationen wie Logs, Metriken oder App-Traces. Allerdings kann es zu Lücken kommen, wenn zum Beispiel zu wenige Daten und Datenmodelle gesammelt oder geteilt werden. Zu einer Monitoring-Infrastruktur gehören in der Regel mehrere Tools, die oftmals nicht integriert sind. Dies macht es schwierig, Probleme frühzeitig zu erkennen und Ursachen zu ermitteln.
Mit OTel hingegen legen IT-Organisationen den Grundstein für eine feinere, dynamischere und stärker integrierte Observability. Im Gegensatz zu herkömmlichen Monitoring-Lösungen ermöglicht dieser standardisierte, modulare Ansatz eine einheitliche Instrumentierung aller Systeme, unabhängig von der Produktionsumgebung oder den zugrundeliegenden Technologien. Dadurch erreichen IT-Teams ein umfassendes, detailliertes Verständnis aller Systeme – einschließlich traditioneller und privater Cloud- sowie Multi-Cloud-Umgebungen, Cloud-nativer Plattformen und verteilter Dienste, deren Überwachung in Microservice- oder Container-Umgebungen oft komplex ist.
Durch die automatisierte Echtzeiterfassung von Metriken, Traces und Logs in dynamischen und zugleich hybriden Umgebungen lässt sich erkennen, wenn ein Service Probleme aufweist – und zwar in dem Moment, in dem sie auftreten. Diese lassen sich somit proaktiv antizipieren und lösen, bevor sie sich auf die Benutzer auswirken, was eine feingesteuerte und deutlich agilere Steuerung der IT-Infrastruktur erlaubt. Bereits bei schwachen Anzeichen lassen sich Folgen abschätzen und frühzeitig gegensteuern.
Bessere Integration über Prozessgrenzen hinweg
OTel gewinnt auch in Produktionsumgebungen an Bedeutung, in denen DevOps-Teams eine Schlüsselrolle bei der Implementierung und kontinuierlichen Aktualisierung von Anwendungen spielen. Dort führt sie zu einem fließenden Übergang von Anwendungsentwicklungsprozessen hin zu Bereitstellung und Betrieb der sie unterstützenden Infrastruktur. Dadurch entsteht eine einheitliche Sicht auf Applikationsmetriken, Transaktions-Traces und Logs. Folglich können Entwicklungs-, Betriebs- und Infrastrukturteams gerade in Umgebungen effizienter zusammenarbeiten, in denen Updates in kürzester Zeit erfolgen. Ziel ist es, die über eine Anwendung gesammelten Produktivdaten so rasch wie möglich mit Entwicklungsteams zu teilen, damit die Wertschöpfungskette der kontinuierlichen Verbesserung noch agiler wird.
Bei der Erweiterung von DevOps zu „agile at scale“ wird OTel sogar zu einem strategischen Asset. Teams können Entwicklungsprozesse kontinuierlich verbessern, indem sie das Telemetrie-Feedback fortlaufend in die Entwicklungszyklen einbinden. Das Prinzip besteht darin, dauerhaft wachsam zu sein und Anpassungen in Echtzeit vorzunehmen. Jedes Systemelement – Anwendungen, Netzwerkinfrastruktur oder Rechenzentren – wird somit kontinuierlich Verbesserungen unterzogen.
Systeme verstehen und optimieren
Obwohl OTel ursprünglich für Cloud-native Anwendungen verwendet wurde, kommt es nun zunehmend im Bereich traditioneller IT-Systeme zum Einsatz. Das liegt daran, dass gemeinsame Standards in Echtzeit zu einem besseren Verständnis über Produktivsysteme führen und sich somit deren Verwaltung verändert. Jedes via OTel erfasste Signal eignet sich somit für die Bewertung der System-Performance, wodurch sich Fehlfunktionen vermeiden lassen – unabhängig davon, ob sich Komponenten in der Cloud oder im Rechenzentrum befinden. Darüber hinaus erlaubt es Observability mit OTel, die Echtzeitnutzung von Anwendungen und Infrastrukturen zu überwachen. Dadurch lassen sich auf der Funktions-, Anwendungs-, Middleware- oder Infrastrukturebene sowohl die Konfiguration der Systemkomponenten als auch ihre Wechselwirkungen genau kalibrieren. Ziel ist es hierbei, die richtige Balance zwischen Agilität und proaktiver Problemlösung zu finden, um kritische Ereignisse zu vermeiden.
Besseres Risikomanagement
Eine der größten Herausforderungen in der Produktion ist das Change Management, insbesondere wenn kontinuierliche Integration sowie kontinuierliche Bereitstellung (CI/CD) involviert sind. Jede Änderung kann Risiken und Instabilitäten mit sich bringen. Dank OTel ist es aber nun möglich, in einer bestimmten IT-Umgebung einen detaillierten und zeitnahen Überblick über alle Interaktionen, Änderungen sowie deren potenziellen Auswirkungen zu erhalten. Nehmen wir zum Beispiel die Bereitstellung einer neuen Version einer Cloud-nativen Anwendung. Sobald sie in der Produktion aktiviert wird, liefert OTel Informationen über die Performance und ihre Auswirkungen auf den Rest des Systems. Wird eine Leistungsverschlechterung festgestellt, können die Teams schnell eingreifen, um das Problem zu beheben und für Stabilität zu sorgen. Alle Variablen werden dabei in Echtzeit verfolgt, was ein proaktives Incident-Management ermöglicht und Ausfallzeiten deutlich reduziert.
Breiteneinsatz von OpenTelemetry
OpenTelemetry scheint die zukünftige Norm für Observability in der IT zu sein. Dank dieses offenen, standardisierten, modularen und proaktiven Ansatzes können IT-Teams nicht nur auf Vorfälle reagieren, sondern auch Probleme antizipieren, bevor sie kritisch werden. Ihre Integration in DevOps und Cloud-native Umgebungen macht OTel zu einem unverzichtbaren Tool für alle Unternehmen, die ihre Systeme optimieren möchten.
Jedoch ist ihr Breiteneinsatz in der IT-Organisation nicht ohne Herausforderungen. Die Umsetzung erfordert technisches Know-how sowie dedizierte Ressourcen – sowohl für die Tool-Bereitstellung als auch die Datenanalyse. Da die OTel-Community jedoch kontinuierlich wächst und der Standard zugleich rapide an Reife gewinnt, können Unternehmen, die ihre IT-Systeme modernisieren möchten, von diesem Ansatz ohne großes Risiko profitieren. Durch die Integration von OTel verbessern sie nicht nur kontinuierlich ihre Reaktionsfähigkeit zum Beispiel bei Ausfällen, sondern auch die Leistung ihrer IT-Systeme. Zudem können sie eine bessere Serviceverfügbarkeit gewährleisten und die Betriebskosten dank eines optimierten Ressourcenmanagements senken.
Somit ist OpenTelemetry mehr als ein Observability Tool: Es ist ein innovativer Standard für kontinuierliche Überwachung, Optimierung und Management von Anwendungen und Infrastrukturen in der Produktion entlang eines durchgängigen DevOps-Ansatzes.