Verbesserung und Anpassung an die Bedrohungslandschaft

Gesundheitswesen: Zeitgemäßer Datenschutz und Datensicherheit

Gesundheitswesen, Security

Datenschutz und Datensicherheit im Gesundheitswesen sind komplex. Es bezieht sich auf eine Reihe von Maßnahmen, Richtlinien und Praktiken zum Schutz von Patientendaten, zur Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und zur Aufrechterhaltung der Resilienz und Verfügbarkeit wichtiger Gesundheitsdaten.

Das umfassende Verständnis und die Umsetzung einer Datenstrategie ist für alle IT-Experten in Kliniken und Gesundheitseinrichtungen daher von entscheidender Bedeutung. Angela Heindl-Schober von HYCU geht auf die wichtigsten Aspekte ein.

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Bedeutung des Datenschutzes im Gesundheitswesen

Der Schutz von persönlichen Informationen, Patientenakten und Finanzdaten ist nicht nur eine gesetzliche Vorschrift, sondern auch eine ethische Verpflichtung. Es geht darum, das Vertrauen und die Vertraulichkeit der Patienten zu wahren, die Compliance sowie den Schutz vor Cyberbedrohungen und Datenschutzverletzungen zu gewährleisten. Weitere Ziele unter dem Dach des Datenschutzes sind die Aufrechterhaltung der Integrität und Verfügbarkeit wichtiger Gesundheitsinformationen sowie die Unterstützung einer kontinuierlichen, ununterbrochenen Patientenversorgung.

Zehn Schlüsselkomponenten des Datenschutzes im Healthcare-Bereich

1. Bestandsaufnahme und Klassifizierung der Daten

Der erste Schritt zu einem wirksamen Datenschutz besteht darin, sich darüber klar zu werden, welche Daten vorliegen und wo sie gespeichert sind. Dies beinhaltet die Kartierung aller Datenquellen, einschließlich elektronischer Gesundheitsakten, medizinischer Geräte und SaaS-Anwendungen. Hinzukommt die Kategorisierung von Daten auf der Grundlage von Sensibilität und gesetzlichen Anforderungen sowie die Identifizierung kritischer Systeme und Anwendungen, die Patientendaten verarbeiten.

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2. Zugangskontrolle und Authentifizierung

Die Implementierung strenger Zugangskontrollen ist von entscheidender Bedeutung, um unbefugten Zugang zu sensiblen Informationen zu verhindern. Dies erfordert die Verwendung der rollenbasierten Zugriffskontrolle (RBAC, Roll-Based Access Control) zur Begrenzung des Datenzugriffs auf der Grundlage von Arbeitsfunktionen. Weitere unverzichtbare Maßnahmen sind die Implementierung der Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) für alle Benutzerkonten, die regelmäßige Überprüfung und Aktualisierung der Zugriffsberechtigungen sowie die Erstellung einer soliden Passwortrichtlinie.

3. Datenverschlüsselung

Verschlüsselung ist eine wichtige Komponente des Datenschutzes im Gesundheitswesen, insbesondere die Implementierung einer End-to-End-Verschlüsselung für Daten bei der Übertragung und im Ruhezustand. Ebenso wichtig sind die Verwendung starker Verschlüsselungsalgorithmen, die den Industriestandards entsprechen sowie die Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Schlüsselverwaltung.

4. Netzwerksicherheit

Der Schutz des Gesundheitsnetzes vor externen Bedrohungen ist von entscheidender Bedeutung. Hierzu ist es erforderlich, Firewalls und Intrusion Detection/Prevention-Systeme zu implementieren und zu warten sowie alle Systeme und Software regelmäßig zu aktualisieren und zu patchen. Unverzichtbar ist die Segmentierung von Netzwerken, um kritische Systeme zu isolieren und die Ausbreitung potenzieller Sicherheitslücken zu begrenzen.

5. Verwaltung mobiler Geräte

Mit dem zunehmenden Einsatz von mobilen Geräten im Gesundheitswesen wird die Implementierung einer umfassenden Lösung zur Verwaltung mobiler Geräte (MDM, Mobile Device Management) unausweichlich. Weitere Maßnahmen umfassen Geräteverschlüsselung, Fernlöschfunktionen sowie die Erstellung klarer Richtlinien für BYOD-Szenarien (Bring Your Own Device).

6. Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter

Menschliches Versagen ist nach wie vor ein erheblicher Risikofaktor bei Datenschutzverletzungen. Gesundheitseinrichtungen können diesem Risiko entgegenwirken, indem sie regelmäßige Schulungen zum Bewusstsein für Cybersicherheit für alle Mitarbeiter durchführen. Wichtig ist die Aufklärung der Mitarbeiter über Phishing, Social Engineering und andere gängige Angriffsmethoden sowie die Förderung einer Kultur des Sicherheitsbewusstseins in allen Abteilungen.

7. Lieferantenmanagement

Viele Gesundheitseinrichtungen verlassen sich auf Drittanbieter, was zusätzliche Risiken mit sich bringen kann. Daher ist es ratsam, gründliche Sicherheitsbewertungen aller Anbieter durchzuführen und die Einhaltung der einschlägigen Vorschriften und Sicherheitsstandards durch die Anbieter sicherzustellen. Erforderlich ist auch die Umsetzung strenger Vereinbarungen und Verträge über die gemeinsame Nutzung von Daten.

8. Kontinuierliche Überwachung und Rechnungsprüfung

Eine proaktive Überwachung ist entscheidend für die Erkennung von potenziellen Bedrohungen und die Reaktion darauf. Dies erfordert die Implementierung einer 24/7-Überwachung aller kritischen Systeme und Netzwerke sowie die Durchführung regelmäßiger Sicherheitsaudits und Schwachstellenbewertungen. Sinnvoll ist die Verwendung von SIEM-Tools (Security Information and Event Management) zur Korrelation und Analyse von Sicherheitsereignissen.

9. Planung der Reaktion auf Vorfälle

Trotz aller Bemühungen kann es immer noch zu Sicherheitsverletzungen kommen. Ein gut definierter Plan für das Incident Management oder die Reaktion auf Vorfälle ist entscheidend. Dies umfasst die Entwicklung und regelmäßige Aktualisierung eines Reaktionsplans für mögliche Vorfälle, die Durchführung von Tabletop-Übungen, um die Wirksamkeit des Plans zu testen, und die Festlegung klarer Rollen und Zuständigkeiten für das Krisenreaktionsteam.

10. Compliance Management

Gesundheitseinrichtungen müssen sich in einer komplexen Gesetzeslandschaft zurechtfinden. Sie müssen alle relevanten Vorschriften wie HIPAA (in den USA), DSGVO (in der EU) und nationale Gesetze einhalten. Sie müssen daher Prozesse implementieren zur Gewährleistung der kontinuierlichen Einhaltung der Vorschriften sowie regelmäßige Compliance-Prüfungen und -Bewertungen vornehmen.

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Die entscheidende Rolle von Backup und Disaster Recovery

Eine Backup- und Disaster-Recovery-Strategie ist die grundlegende Komponente des Datenschutzes im Gesundheitswesen und betrifft mehrere Aspekte.

Die Datenverfügbarkeit stellt sicher, dass wichtige Patientendaten immer zugänglich sind, selbst bei Systemausfällen oder Cyberangriffen. Maßnahmen zur Geschäftskontinuität minimieren Ausfallzeiten und ermöglichen eine schnelle Wiederherstellung, um eine ununterbrochene Patientenversorgung zu gewährleisten. Ransomware-Schutz bietet ein Sicherheitsnetz gegen Ransomware-Angriffe, indem er die Wiederherstellung von Systemen ohne Zahlung von Lösegeld ermöglicht. Hinzukommen die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und anderer Anforderungen an die Datenaufbewahrung und Wiederherstellungsfunktionen sowie Datenintegrität, um die Genauigkeit und Konsistenz von Patientendaten im Laufe der Zeit zu erhalten.

Die Umsetzung einer effektiven Backup- und Disaster-Recovery-Strategie umfasst die Implementierung einer 3-2-1-Sicherungsstrategie sowie das regelmäßiges Testen der Sicherungs- und Wiederherstellungsprozesse. Es gilt zudem sicherzustellen, dass die Backups verschlüsselt sind und sicher gespeichert werden. Die Implementierung automatisierter Backup-Lösungen trägt zur Minimierung menschlicher Fehler bei. Ebenfalls Teil der Strategie ist die Festlegung von RTOs (Recovery Time Objectives) und RPOs (Recovery Point Objectives), also klarer Wiederherstellungszeit- und Wiederherstellungspunktziele.

Fazit

Durch die Implementierung von durchdachten Datenschutzmaßnahmen, einschließlich einer soliden Backup- und Disaster-Recovery-Strategie, können Gesundheitseinrichtungen Patientendaten schützen, die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften gewährleisten und die Kontinuität wichtiger Gesundheitsdienste sicherstellen. Datenschutz ist hierbei keine einmalige Angelegenheit, sondern ein fortlaufender Prozess, der eine kontinuierliche Bewertung, Verbesserung und Anpassung an die sich entwickelnde Bedrohungslandschaft und den technologischen Fortschritt im Gesundheitswesen erfordert.

Angela Heindl-Schober, Data Protection-Expertin bei HYCU

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